Donnerstag, 9. März 2023

Gedanken

Gedanken sind Mächte
Gute wie auch schlechte
Nimmst an du den Gedanken im Glauben 
Tust du der Macht darin erlauben 
Zu tun in dir was ihr gefällt - sei's böse oder gut 

Ein Gedanke gibt nicht bloß Informationen 
Die Kraft dahinter will in dir wohnen
Um zu tun was ihr gefällt - falls dein Wille sich nicht dagegen stellt 

Armes Ego, armer Wille - ganz allein gegen so viele
Wie ein Ruderboot im Sturm
ankämpft gegen viele Wogen
Tut auch der Kampf in deinem Innern toben

Wohl dem der weiß vom allergrößten Herrn der Mächte 
Welcher ist vom himmlischen Geschlechte 

Was der sagt das hat Gewicht 
Daß dein Lebensboot muß kentern nicht
Er hält dich fest mit seiner Hand
Dein Lebensboot erreicht das sichre Land.







Dienstag, 26. Juli 2022

Frieden

 Ach. Wie wünsche ich mir doch Frieden, Frieden in der Welt!

Doch ach, ich habe ja nicht einmal Frieden mit mir selbst.

Zerrissene Gedanken, Grübeleien, schlagen des Gewissens, um es mit mehr oder weniger faulen Ausreden zu beruhigen!

Wie kann es Frieden in der Welt geben, wenn wir es nicht einmal schaffen, Frieden in den Familien zu halten? Frieden unter Lebenspartnern? Frieden mit den Nachbarn, Frieden in der Gemeinde? In der Stadt? Allenfalls herrscht ein zerbrechlicher, löchriger Waffenstillstand - zugekleistert mit frommen Lügen und Versprechen - wir machen uns taub und empfindungslos gegenüber dem nagenden Krieg.

Es ist doch alles in Ordnung bei uns? Wir sind doch keine schlechten Menschen!

Gib mir mehr Drogen, Ablenkungen, Spiele und alles was betäubt! Ich will diese Zerrissenheit nicht mehr fühlen - betäube mein Gewissen mit allen bunten Träumen die zu haben sind.

Ganz wahr ist dieses Bild aber auch nicht. Es ist alles sehr komplex. Es gibt auch noch echte Liebe hier und dort. Es gibt lebendige Hoffnung. Es gibt Taten der Selbstlosigkeit und Barmherzigkeit.

Ach. Wie sehne ich mich nach Frieden. Frieden in mir und in der Welt.


Donnerstag, 9. Juni 2022

Gedanken

So mancher Gedanke hängt tonnenschwer in meiner Seele und zieht mich dem Abgrund entgegen.

Womit soll ich ihm begegnen, wenn mir die Kraft fehlt erneut wieder aufzustehen und zu kämpfen?

Wie komme ich zu neuen, lichten und leichten Ideen, die mich erneut emporschweben lassen in die Weite?

Wie ein Adler soll ich fliegen, neue Kraft gewinnen wenn ich am Boden liege! Das sagst du mir - und manchmal kommt mir dein Reden fast höhnisch vor - so fern von meiner Realität.

Liege ich nicht schon genug am Boden, muss ich erst noch tiefer sinken bevor deine Hand mich fasst und ins Land des Lebens zurück bringt? 

Warum bist du so fern, Gott? 

Fern von meiner Klage und meinem zerbrochenen Geist, wie ein Schatten in der Nacht - wie ein Traum an den ich mich nur noch unklar erinnern kann.

Montag, 13. November 2017

Gespenster

Glaube, dem die Tür versagt, steigt als Aberglaub' ins Fenster. Wenn die Gottheit ihr verjagt, kommen die Gespenster.

Emanuel Geibel

Dienstag, 24. Oktober 2017

No Bluebirds fly

Somewhere over the rainbow...
fliegen nur die schwarzen Trauervögel, die sich nach Heimat und Zugehörigkeit sehnen.
Sie trösten sich mit schönen, traurigen Melodien, wo doch am Fuße des Regenbogens der Topf voller Gold steht..

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Verloren

Ich war verloren.
Ganz allein in diesem finsteren Loch. Keiner in meiner Nähe, der mir irgendwie helfen würde und meilenweit von jeder Zivilisation entfernt.
Es war ja meine eigene Schuld gewesen, daß ich nun hier saß und nicht wieder herauskam. War es das wirklich?
Man hatte meine Seele hungern lassen und ich war geschlagen worden. Man hatte mich wüst beschimpft und einen Taugenichts gescholten. Ich sei nichts wert und würde nie etwas zustande bringen, hatte man gesagt.
Talent hat er wohl - aber er versaut sich alles selbst durch diese ungezügelte Rebellion und sein unangepasstes Verhalten! Geh mir aus den Augen und sei endlich mal zu etwas nütze, hatte man geschrien.

Also ging ich. Und nach einer Weile begann ich zu laufen und im Laufen zu weinen. Ich wollte nie mehr nach Haus zurück! Düstere schwarze Wolken umhüllten mich und ließen sich auf meiner Schulter nieder.
Dann kam der tiefe Fall. Ich holperte und stolperte in dieses tiefe Loch im Wald hinein. Hängende Baumwurzeln sausten an mir vorüber und ich wusste: "Jetzt bist Du verloren!"

Der kostbare Moment

Plötzlich war er da - dieser Moment.
Ich stand da und wurde ergriffen. Ich konnte nicht sagen warum, aber du hattest mich einfach tief berührt. Tief drinnen.
Und mir kamen die Tränen - ich fühlte mich ertappt, durchschaut, gesehen und erkannt.
Gibt es denn so etwas?
Zwei Seelen die sich so nahe sind?
Ich hatte das Gefühl über alles mit dir reden zu können - über Dinge die ich sonst verschweige, die ich niemand sonst erzählen würde...
Aber dir könnte ich sie sagen.

Und nun bin ich getrennt von dir - nur wenige Kilometer, die mir aber unüberwindlich erscheinen, eine tiefe Kluft.
Es herrscht Schweigen zwischen uns - was ist nur geschehen?
Alles was ich dir schreibe erscheint mir falsch und... seltsam verdreht.

Habe ich deine Seele verletzt, war dumm und unachtsam?
Habe ich auf deinen empfindlichen Gefühlen herumgetrampelt - etwas Wichtiges komplett übersehen?

Wir sind auseinander, getrennt, geschieden - und waren doch noch nicht einmal richtig zusammen, haben uns kaum kennengelernt. Nur dieser eine, tiefe Moment bleibt.
Und ich denke jeden Tag an Dich.
Ich wollte dir noch so viel sagen.

Sonntag, 29. April 2012

Zwischenwelt

Durch schwerer Sonne leichten Regen dunkler Wolken schwarzes Gebräu
schweben wir dem Regenbogen entgegen
zu himmlischen Gefilden satter, triefender Pracht
Alles wird gut scheint eine Stimme bedeutungsvoll zu sagen
Alles fügt sich zusammen, wie ich's vorher erdacht

Samstag, 25. Juni 2011

Vorgeschichte eines Fantasy-Romans

Gelangweilt kaute der 12jährige Junge auf seinem Bleistift. Seine Augen waren in eine imaginäre Ferne gerichtet, deren Richtung nur zufällig der Richtung der großen Schiefertafel entsprach.
Kratzend malte der Lehrer Jahreszahlen an die Tafel und sprach seinen Monolog mit näselnder Stimme: 1075 Sachsenkrieg, 1077 Bußgang nach Canossa, 1084 Heinrich IV. wird in Rom als Kaiser gekrönt…
Die Tafel mit den Jahreszahlen verschwamm vor Ralfs Augen, während die monotone Stimme des Lehrers in weite Ferne rückte und einschläfernd vor sich hin leierte. „Wenn doch nur jemand käme und mich mitnähme“, seufzte der Junge still in sich hinein. Er träumte sich auf eine einsame Insel im großen Ozean.

Samstag, 30. Oktober 2010

Joint am Abend

Sie lagen auf einer Matte im Sand und rauchten einen Joint. Über ihnen neigte sich der Strandhafer sanft im Abendwind.
Es war ein warmer Sommerabend am Meer und der Sand strahlte immer noch eine leichte wohlige Wärme ab.
Der hagere lange Typ mit der blonden Mähne, welche ihm bis weit über die Schultern fiel lauschte auf das Geräusch der Brandung welches in der Stille scheinbar kilometerweit zu hören war, während ein paar einsame Möwen ab und zu dazwischen kreischten.
Seine kleine mollige Freundin kicherte im Rausch vor sich hin und machte lustige Gesichter und Grimassen hinter dem Rücken des Blonden.
 Alles war still und friedlich und die beiden waren fast allein am Strand. Nur weit entfernt bewegten sich ein paar dunkele Silhouetten, welche gemächlich am Wasser entlang spazierten.

Samstag, 16. Oktober 2010

Der Radius wird kleiner

Der Radius wird immer kleiner und die Demenz schreitet rasch fort.
Ich habe Angst vor der nassen Treppe im Bahnhof und fühle mich hoffnungslos verloren im Nahschnellverkehrszug.
Landschaft und Gesichter gleiten vorbei und ich möchte aufstehen und schreien:
Leute, das hier ist kein Zug und keine Straßenbahn! Das ist eine Irrenanstalt und ich bin Euer Arzt!
Ich habe hier zwei Kapseln in meinen Händen - eine rote und eine blaue. Wer von mir die Rote nimmt wacht auf in die Realität und begreift daß er nur Patient ist. Patient in einem Irrenhaus.
Wer aber die Blaue nimmt schläft einfach weiter im rasenden Zug.
Die Realität bietet eine theoretische Chance auf Heilung - auch wenn die Flure der Anstalt trist und kahl sind.
Der Schlaf bietet keine Erleichterung, denn die Welt dreht und dreht sich immer schneller voran - und das Vertraute schwindet mehr und mehr dahin wie ein dünner Rauch im Wind.
Chaos zieht am Horizont herauf, die Ordnung ist nur noch das Recht des Stärkeren.
Irgendwo im Dreck überleben ein paar wenige Menschen. Echte Menschen. Der Rest treibt seelenlos dahin - in den schmutzigen Fluten des bedenkenlosen Konsums und der Zeit....

Freitag, 10. September 2010

Der Mann, der um sein Leben schrieb

Mit hektisch flackernden Augen haute er in die Tastatur seines PCs. Er war getrieben, aber er wußte nicht von wem oder was. Das Einzige was er wußte war: "Es geht um mein Leben! Wenn ich jetzt aufhöre zu schreiben, falle ich kraftlos und tot vom Stuhl."
Er MUSSTE schreiben. Es musste aus ihm heraus - die Vorstellungen und Gedanken, welche innerlich in ihm hochstiegen und auf seine Nervenbahnen einprasselten.
Während er schrieb fühlte er sich angeschlossen an eine pulsierende Lebenskraft, die ihn völlig durchströmte. Er war nur Kanal. Kanal für etwas oder jemand.
Merkwürdig - dieser unsichtbare jemand oder diese unsichtbare Lebenskraft war er eigentlich selbst. Es waren tiefe Quellen und Brunnen in ihm, welche aufgebrochen waren und er musste schreiben, schreiben schreiben....

Montag, 9. August 2010

Meine Dämonen

Die Dämonen,die, von außen an meinem Fenster kleben - wollen doch auch nur leben, wollen auch nur leben.
Sie hämmern und schrauben an meinem Fenster herum, sind unzufrieden mit sich, der Welt und Gott. Sie wollen mein Leben stehlen. MEIN!
Der Herr der Fliegen ist selber sehr arm und kann ihnen nichts geben. Sie gehorchen ihm zwar - weil sie wohl müssen - aber nicht sehr gern. Sie wollen selber leben.
Aber weil es dort in ihrer Welt so gar nichts Lebendiges gibt - kein Feiern, keine Lust - da wollen sie an meine Venen in ihrem Überdruss.
Sie möchten gern saugen und sich laben an meinen Eingeweiden, mir zum Schaden.
Die armen Dämonen die von außen an meinem Fenster kleben - wollen auch nur leben, wollen auch nur leben.


Broken needle in a broken vein - all the same, all the same.

Montag, 10. August 2009

Die goldene Vergangenheit

Was war das Leben spannend damals - was haben wir gelacht!
Was haben wir gelacht, als wir im Auto vor dem Maulwurf kifften und der Qualm die kleine Kabine völlig vernebelte.
Ja mei, war das lustig.
Wie spannend war das Leben noch, als wir unseren ersten LSD-Trip nahmen und die Musik losging.
Was haben wir gelacht - wie cool haben wir uns gefühlt mit unseren langen Haaren.

Heimlich verschleppt

Neulich nacht hat man mich abgeholt während ich schlief. Irgendjemand ist der Meinung, daß ich besser zur Insel Depressiva passe, als zur Insel Musica.
Als ich die Augen aufschlug, war alles wie immer. Sonnenschein im Garten, die Vögel zwitscherten, aber irgend etwas stimmte nicht an dem Bild. Etwas war falsch daran.
Ich schüttelte den Gedanken ab und machte "business as usual"
Aber alles lief nicht mehr so richtig rund.
Dann bemerkte ich neulich, daß mein Garten aus Wänden von Pappe mit aufgedruckten Fotos von Bäumen und Büschen bestand. Die Vogelstimmen kamen von einem endlos-Tonband.

Die Insel Musica

Neulich ging überraschender Weise ein Schiff von der Insel Depressiva nach Musica. Ich ergriff die Gelegenheit, dort meinen Urlaub fortzusetzen...


Die Insel Musica ist viel schöner als Depressiva. Die Tage sind hell und freundlich und die Nächte nicht so lang.
Es gibt viel Leckeres und leichtes zu essen. Mediterran eben. Der Wein ist rot, schwer und rinnt feurig die durstige Kehle hinab.
Der Rausch aber ist leicht, beschwingt und angenehm. Es gibt keinen Kater am nächsten Tag. Im Gegenteil - man wacht frisch und munter auf und hat den Kopf voller neuer Ideen.
Alte Gitarren restaurieren, die Stereoanlage aufpeppen und ständig neue Melodien verspeisen.
>Ach, das Leben ist wieder eine Lust!
Hier lässt es sich leben, hier könnte ich bleiben... und der Tag der Abreise liegt noch in weiter Ferne!

Urlaub auf Depressiva

Habe lange nix geschrieben
bin im Urlaub auf der Insel Depressiva
die Nächte dort sind lang und dunkel
auch am Tag wird es nur langsam hell
bin irgendwie versunken
auftauchen geht auch nicht so schnell
hab heut nacht mit Gott geredet
das war wunderschön
sein Licht hat schon fast geblendet
als ich glaubte, daß er mir sagen wollte:
nimm Lebertran, mein Sohn!

Dienstag, 28. Juli 2009

Endstation

Altenheim Gemeinschaftsraum.

Ich sitze bei den Alten am Tisch und schaue in die Runde. Die Alten reden nicht viel. Sie sehen aus, als ob sie auf etwas warten.

Hier ist die Endstation. Wann holt mich jemand ab?

Die Gesichter sind welk, die Lebensfreude meist erloschen. Ein uralter Herr spielt alte Volkslieder auf der Mundharmonika. Einige dünne Stimmen singen freudig mit. Sie erinnern sich an frühere Zeiten.

Sie wirken wie heruntergebrannte Kerzen. Einige flackern schon, wollen bald ausgehen. Einige scheinen noch eine längere Zeit zu brennen. Wirken fröhlich. Andere sitzen nur stumm in ihrem Rollstuhl, brüten farblos über trübsinnigen Gedanken. Eine merkwürdige Leere scheint ihre Augen zu erfüllen.

Mich fröstelt. Ich lese den Herrschaften etwas vor. Bin mir unsicher, ob sie alle fähig sind, das Gelesene aufzunehmen. Eine Dame ist geistig sehr wach, man kann mit ihr über den Text reden. Sie hat nicht nur alles verstanden, sondern strahlt Geist und Würde aus. Die hatte früher sicher mal viel auf dem Kasten.
Und nun sitzt sie hier auf dem Abstellgleis und wartet. Wartet, daß sie jemand abholt.

Am Ende der Lesung wird geklatscht. Es war eine gute, lebendige Geschichte aus der Kindheit. Wir wechseln noch ein paar Worte, dann muß ich gehen.

Ich frage mich, welchen Sinn das Ganze hatte, ein paar alte Herrschaften eine gute Stunde zu unterhalten. Vielleicht verkürzt es die Wartezeit. Oder ist es völlig sinnlos?
Diese Alten sind doch nur noch "Kostenfaktoren", ohne irgend einen Beitrag zur Gesellschaft. Nutzlos, irgendwie. Eine Belastung meistens.

Ich möchte niemals in einem solchen Heim enden, auch wenn die Mitarbeiter sich in diesem Heim rührend um die Bewohner kümmern. Hoffentlich kommt meine "Endstation" rasch und unerwartet.

Ich mag meine alten Zuhörer gern und lese ihnen gerne vor. Ich wünsche mir, daß durch mich einige Tröpfchen der Liebe Gottes in ihr Herz fallen und sie fröhlich machen. Ich wünschte mir, man könnte das Altern und den Tod aufhalten und zurückdrängen. Ich wünschte mir, man könnte sie retten!

Wo werden diese lieben Menschen nach ihrem Tod sein? Bei Gott? In der Hölle?
Ich kann nichts davon erahnen. Mich beschleicht das drückende Gefühl, daß nur eine große Leere, ein großes "Nichts" sie erwartet. Grau und schwer.
Wenn sie so langsam in die Herrlichkeit Gottes herüberdämmern würden, könnte man nicht etwas davon spüren?

Donnerstag, 25. Juni 2009

Der Gedankenproduzent

Er sitzt da in seinem zerschlissenen Sessel.
Es ist die einzige Sitzgelegenheit im Raum.

Die alten, ausgebleichten Tapeten hängen in Fetzen von der Wand.
Dahinter bröckelt der Putz und die Holzdielen liegen zum Teil bloß.

Das Gesicht des Menschen ist mittelalt - vielleicht fünfzig oder sechzig.
Es färbt sich gelblich grau mit eingefallenen in sich gekehrten dunkel geränderten Augen.

Ein boshaftes Lächeln umquält den dünnen Mund. Leise und ganz leicht.
Die Haut schwitzt. Es ist heiß in Chicago.
Doch der Mann scheint die Schweißperlen, die in kleinen Rinnsalen auf Augen und Wangen fließen nicht zu bemerken.

Er ist völlig konzentriert und in sich gekehrt - Die Augen blicken ins Leere.
Über ihm kreist kläglich der müde Rest eines einstmals stolzen Ventilators. Ab und zu bewegt sich eins der spärlichen dünnen Haare des Mannes im leichten Luftzug.

Der Raum ist vermüllt. Überall liegen zusammengeknüllte Zeitungsreste, leere Papiertüten und Essensreste auf dem Boden, dem wackeligen Tisch und der ausgebleichten Anrichte.
Alle Möbelstücke wirken ausgebleicht und staubig. Das einzige Bild an der Wand hängt schief.

Schief hängt auch der Kopf, seltsam entspannt, während die flackernden Augen das einzige Lebenszeichen des Seltsamen von sich geben.
Diese Augen - trübe wie Schmutzwasser und dennoch von einem fahlen Licht erhellt.
Die Kamera zoomt sich langsam näher und näher an diese Augen heran. Schließlich ist nur noch ein einziges Auge im Objektiv zu sehen - näher und näher - nur noch das schwarze Loch der Pupille und dann....

Hinein in einen Strom voller Licht und Leben - ein summendes, brummendes Universum von Elektrizität, Farben und seltsam fließenden Formen. Der ganze Strom fließt zu einer riesigen Matrix voller unverständlicher Zeichen und Symbole.

Davor steht ein Wissenschaftler im weißen Kittel - jedenfalls hält man ihn sofort dafür.
Lächelnd beantwortet er die Fragen der angereisten Gäste und Zuschauer:
"Jawohl meine Damen und Herren, Mr. Smith ist der derzeitige Gedankenproduzent - zuständig für Amerika, Europa und die westliche Welt."

"Und was für Gedanken produziert er so?" fragt ein emsiger Mann mit Presseausweis am Revers.

"Krieg und Frieden, Rassenhass und religiöse Gedanken hauptsächlich. Aber die Wissenschaftler und Philosophen werden auch bedient!"

"Und was ist mit den Medien?" fragt der Reporter weiter.

"Ach die Medien denken doch nicht wirklich selber, die Berichten doch nur und kauen die Gedanken der Künstler, Intellektuellen und Politiker wieder" lächelt der Mann im weißen Kittel.

"Und Sie wollen allen ernstes behaupten, dieser ominöse Mr. Smith produziert die ganzen wichtigen und entscheidenden Gedanken der gesamten westlichen Welt? Für Millionen von Menschen?"

"Eine Zwischenfrage bitte!" ruft eine hektische Dame mit angekautem Kugelschreiber in der Hand. (Laptops und Aufzeichnungsgeräte sind hier nicht erlaubt)
"Und wie -bitteschön- kommen die Gedanken an die Addressaten? Das ist doch völlig unmöglich!"

"Nein, nein Frau Piontek, kein Problem für unsere Matrix - wir arbeiten mit Subraumwellen im ultraflachen Frequenzbereich. So haben wir unbemerkten Zugang in jedes Gehirn auf der Welt - und jeder Mensch glaubt doch wirklich er denke seine eigenen Gedanken."
Bei diesem Satz strahlen die Augen des Wissenschaftlers blau und fröhlich. Er doziert weiter:

"Das heißt allerdings nun nicht, daß alle Gehirne gleichgeschaltet wären - viel zu uneffektiv und Fehleranfällig. Es kommt ganz auf die individuellen Fähigkeiten und die Kapazität des Einzelnen an. Jeder ist halt nur empfänglich für die Art Gedanken, die er auch verarbeiten kann. Aber so bleibt die Illusion der Individualität des Einzelnen völlig intakt. Keine Sau bemerkt, daß er gar nicht selber denkt, sondern quasi nur gedacht wird!" erklärt der Wissenschaftler mit triumphierender Miene.

"Und ist dieser ominöse Mr. Smith überhaupt ein Mensch...oder was ist dieses... Ding?" fragt eine dunkelhaarige Frau mit verrauchter Stimme.

"Tut mir aufrichtig Leid", antwortet der Mann im weißen Kittel freundlich, "Darüber darf ich keine Auskunft geben - Geschäftsgeheimnis!"
Zufrieden blickt der Weißkittel in die Runde. "Sonst noch Fragen?"

Der Gedankenproduzent rekelt sich im Sessel und lächelt leise in sich hinein. Er hat gerade eine großartige Idee an die Börsenwelt geschickt.

Montag, 22. Juni 2009

Auf einer grünen Blumenwiese

Auf einer grünen Blumenwiese steht Freund Hein und winkt mir zu. Ich tue so als würde ich ihn nicht kennen und schaue in eine andere Richtung.

Der Himmel ist blau und strahlend, die Vögel zwitschern und freuen sich des Lebens. Die Sonne strahlt. Am Himmel sind ein paar nette weiße Wolken. In der Nähe murmelt ein Fluss.
Freund Hein steht immer noch da und winkt mir zu. Das Sonnenlicht spiegelt sich in seiner scharfen Sense. Er ist der Schnitter Tod. Will er zu mir?
Nein, nein, Du hast noch Zeit, bedeutet er mir mit einer Geste. Er spricht niemals, ist stumm, doch Du weißt trotzdem, was er sagt. Er hat so seine eigene Art zu reden.

Ein Mann liegt im Todeskampf, mitten auf der grünen Wiese. Er nimmt die bunten Blumen nicht mehr wahr, nicht den Gesang der Vögel.

Obwohl seine Lieben um ihn versammelt sind, kämpft er allein - chancenlos.
Er will leben, möchte noch bleiben, versucht den Tod aus sich herauszuwürgen. Ungläubig schaut er, kann es nicht fassen, daß ER gemeint ist - er wird doch noch gebraucht - hat eine liebe Frau und vier Kinder, die ihn lieben.

Doch Freund Hein kennt kein Erbarmen, er hat schließlich einen Auftrag. Seine Hand schließt sich fest um das Handgelenk des Sterbenden - er nimmt die scharfe Sense mit der anderen Hand und schneidet den Lebensfaden durch.

Hilfloses Entsetzen durchfährt Frau und Kinder. Die Beter werden stumm. Freund Hein trägt den Toten zu seinem Boot und rudert schnell mit ihm über den Fluss - außer Sichtweite.
Und wir alle bleiben zurück - sind stumm - erschüttert.

Jeder weint für sich allein. Einsam.



The wall on which the prophets wrote
Is cracking at the seams.
Upon the instruments of death
The sunlight brightly gleams.
When every man is torn apart
With nightmares and with dreams,
Will no one lay the laurel wreath
As silence drowns the screams.

Between the iron gates of fate,
The seeds of time were sown,
And watered by the deeds of those
Who know and who are known;
Knowledge is a deadly friend
When no one sets the rules.
The fate of all mankind I see
Is in the hands of fools.

Confusion will be my epitaph.
As I crawl a cracked and broken path
If we make it we can all sit back
And laugh.
But I fear tomorrow Ill be crying,
Yes I fear tomorrow Ill be crying.
King Crimson - Epitaph